Forstmanagement - Schäferei Kerstlingerode

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Forstmanagement

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Wald, Forst oder Plantage - Nachhaltigkeit oder doch Profitmaximierung?
Unsere heimischen Wälder sind seit einigen Jahren wieder in den Schlagzeilen. Von Hiobsbotschaften, wie das zweite große Waldsterben wird berichtet. Klimaerwärmung, Stürme, Trockenheit, Käferplage und hektarweise absterbende Fichten sind nur einige der Schreckensnachrichten. Einem Laien kann angst und bange werden, dem Waldbesitzer droht der Totalverlust bis hin zur Existenzvernichtung.

Diese Probleme sind jedoch hausgemacht und waren schon seit Jahrzehnten abzusehen!

Wer auf eine Monokultur mit einer nicht natürlich vorkommenden Vegetation (z. B. Fichte) und nur auf Profitmaximierung setzt, hat langfristig gesehen die schlechteren Karten. Manche Waldbesitzer und Förster lernen nun endlich daraus und bauen mit hohem Kostenaufwand Mischwälder aus heimischen Laubhölzern wie Buche und Eiche an.

Ohne Frage, die Buche gehört hier in unseren heimischen Wäldern. Jedoch ist die Buche eine Halbschattenbaumart und benötigt in ihrer Jugend starken Schattenbewuchs. Stattdessen wird sie in Reih und Glied auf einer Kahlfläche gepflanzt. Andere setzen auf die "Brotbaum"-Alternative Douglasie oder Küstentanne, wie gewohnt in Reinkultur oder mit Beimischung. Schon jetzt ist vorauszusehen, dass es mit diesen "Amerikanern" zukünftig ebenfalls zu Kalamitätsproblemen kommen wird!

Nachhaltigkeit geht anders!
Die Forstwirtschaft rühmt sich mit diesem Begriff. Sie sei gar der Erfinder der Nachhaltigkeit und wendet diese schon seit über 300 Jahren an. Damals im frühen 18. Jahrhundert war Deutschland fast waldfrei und so entstand der Gedanke, nur noch so viel zu ernten wie auch nachwächst. Sicherlich der erste Schritt in die richtige Richtung.

Doch kann man Nachhaltigkeit nicht auch weiter interpretieren?
Heißt nachhaltig nicht auch, dass Bäume, die ein Alter von über 400 Jahren überstehen, nicht schon mit 120 Jahren als erntereif gelten? Der Wald ist nicht nur als eine reine Plantage anzusehen. Er ist ein Komplex aller Organismenbereiche wie Fauna, Flora und Funga, der auch für uns Menschen lebenswichtig ist. Er ist der effizienteste Kohlenspeicher überhaupt und unabdingbar für die Sauerstoffproduktion. Alte Buchen erziehen ihre Sprösslinge, sie stehen jahrzehntelang in ihren Schatten und der Nachwuchs ist später deutlich vitaler und geradwüchsiger als ihre gepflanzten Artgenossen auf der Kahlfläche.

Aus welchem Grund gibt es immer diese kostenintensiven, aufwendigen und unnatürlichen Pflanzungen?
Sicherlich gibt es Flächen, auf denen es ratsam ist eine Pflanzung zu initiieren. Starker Brombeerbewuchs oder das Fehlen von Mutterbäumen in der Umgebung sind solche Beispiele. Das sind jedoch die Ausnahmen. Jeder Förster hat schon einmal von Vorwäldern gehört, aber damit zu arbeiten fällt den meisten schwer. Innerhalb von wenigen Jahren stellt sich auf einer Kahlfläche ein Vorwald aus Pionierbäumen wie Birke, Pappel, Weiden, Esche, Eberesche, Ahorn oder Kiefer ein. Diese Bäume sind Lichtbaumarten, meist kurzlebig (um die 100 Jahre) und weisen ein schnelles Wachstum auf. Sie verbessern die Boden- und Klimaverhältnisse für die später von den Waldbewohnern eingebrachten Samen sogenannter Klimaxbaumarten, wie Buche und Eiche.

Dies wäre ein natürlich entstandener Wald, äußerst vital und artenreich. Für den Waldbesitzer entstünden nur sehr geringe Kosten und er wäre auch schon in den ersten Jahrzehnten wirtschaftlich nutzbar (Brennholz, Nischenprodukte).

Warum gibt es in vielen Wäldern keine Altbäume sowie stehendes Totholz?
Diese Bäume sind unverzichtbar für ein gesundes Waldökosystem, denn sie erhalten diesen Komplex. Hier finden viele Insekten, Vögel und Pilze ein Zuhause. Im Gegenzug sind diese oft die Prädatoren der auftretenden Schadinsekten. Pestizide haben im Wald nichts zu suchen, in einem gesunden Wald werden sie auch nicht benötigt.

Die Argumentation der Waldbesitzer, dass diese Bäume wertvollen Platz für junge Bäume wegnehmen, ist hinfällig.
Es gibt sogar Fördergelder für deren Erhaltung und was sind schon 5 - 10 Altbäume/Totholz je Hektar? Rückegassen im 20 Meter Abstand nehmen sicherlich mehr wertvolle Fläche ein!





Ist das nicht eine Untat, alle 20 Meter eine Rückegasse durch den Wald zu ziehen?
Nur damit das Holz etwas kostengünstiger mit schweren Maschinen geerntet werden kann (10 - 20% Kosteneinsparungen!). Dabei entsteht eine irreparable Bodenverdichtung, die wohl erst zur nächsten Eiszeit wieder neutralisiert wird! Eine Bodenverdichtung heißt, hier kann der Waldboden u. a. kein Wasser mehr speichern. Dieses steht den Bäumen somit auch nicht mehr zur Verfügung. Geschweige vom Flächenverbrauch, der sicherlich die Kosteneinsparungen einer günstigeren Ernte wieder wettmacht.

Jeder der seinen Wald liebt und nachhaltig bewirtschaften möchte, muss eine andere Lösung finden! Die gibt es natürlich auch. Man muss nur in die Vergangenheit bzw. vom Tellerrand hinaus schauen, Rückepferde werden in manchen Regionen Deutschlands sehr wohl noch genutzt. Ein Kompromiss wäre Rückegassen auf 60 Meter Abstand zu errichten und in Kombination mit einer Seilwinde zu arbeiten.

Muss immer alle 5 Jahre ein Lichtungshieb stattfinden?
Ein Buchenwald mit einem geschlossen Kronendach hat auch zur jetzigen Klimaerwärmung und Trockenheit keine ernsthaften Probleme mit absterbenden Buchen! Muss es denn wirklich sein, dass in regelmäßigen zeitlichen Abständen der Wald flächenmäßig aufgelichtet wird? Dadurch schwindet das feuchte Waldinnenklima und so entsteht erst der Trockenstress. Das meiste Wasser nimmt der Wald im Winter auf und wird im Boden mehrere Meter tief gespeichert. Wird das Waldinnenklima gestört, verdunstet der Baum mehr Wasser als ihm zur Verfügung steht.

Eine Alternative hierzu wäre beispielsweise ein Plenterwald, also ein Dauerwald mit Einzelstammentnahme. Diese für die Buche und Tanne ideale Bewirtschaftungsform kommt einem urwaldähnlichen Wald sehr nahe. Allerdings möchte ich mich nicht nur auf einen Waldbautyp konzentrieren, hierbei spielen zu viele Faktoren und auch Wünsche eine wichtige Rolle.

Wald wirtschaftlich nutzen
Ein Wald kann und soll auch größtenteils wirtschaftlich genutzt werden! Der Holzbedarf in Deutschland ist immens, mehr als die Hälfte des benötigten Holzes wird importiert (umso fraglicher sind dann die Exporte unserer Buchenstämme!). Auch macht es keinen Sinn die Wälder bei uns zu schonen und im Ausland findet ein Raubbau statt.

Selbstverständlich können auch zusätzliche Baumarten beigemischt werden. Dies hat den Vorteil, dass der Waldbesitzer flexibel den Holzmarkt bedienen kann und somit Höchstpreise erzielen kann.

Gerade kleinere Waldbesitzer erhalten oft nicht die geforderte Aufmerksamkeit ihrer individuellen Wünsche vom staatlichen Betreuungsförster. Priorität sollte nicht die Gewinnmaximierung durch Verkaufserlöse in kürzester Zeit sein.



Ein gesunder, nachhaltiger Wald, der auch langfristig gesehen über mehrere Generationen einen Gewinn (finanziell und ethisch) abwirft, ist mein und sollte auch das Ziel des leidenschaftlichen Waldbesitzers sein. Nur gemeinsam ist dies erreichbar. Wie schön kann das Gefühl sein, voller Stolz zu sagen, das ist mein Wald!

Wenn Du dich angesprochen fühlst, bin ich auch gerne Dein Förster. Gerne setze ich mich mit Dir zusammen und wir erstellen gemeinsam ein Konzept für eine nachhaltige, ertragreiche, naturnahe und schonende Forstwirtschaft. Voller Enthusiasmus auf beiden Seiten, begründen, umbauen oder betreuen wir Deinen Wald.


Kai Cormann,
freiberuflicher Diplom-Forstingenieur.

 
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